Alles für "Kohle"? - Garzweiler und die sozialräumlichen Dimensionen des Heimatverlustes durch den Braunkohletagebau.

Dt. Fachverl.
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DE

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Frankfurt/Main

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0931-0983

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ZLB: Kws 250,8 ZA 3482
TIB: ZB 3717

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Abstract

Kohle ist nach wie vor der Hauptenergieträger für die Stromerzeugung in Deutschland. Das Gros wird in Braunkohletagebauen im Aachener Revier und in der Lausitz gewonnen. Im Vorfeld des heranrückenden Tagebaus werden tausende von Bewohner/-innen dieser Regionen umgesiedelt. Sie verlieren nicht nur Haus und Hof, sondern auch ihr soziales Umfeld, die vor allem durch das vielseitige Vereinswesen etablierten sozialen Beziehungen, das eingespielte alltägliche Miteinander innerhalb des Dorfes. Eine Umsiedlung ist jenseits ökonomischer Aspekte ein hochemotionales Thema. Die durch den Tagebau verursachten Veränderungen führen zu einer starken Perforierung oder sogar Auflösung des zwischenmenschlichen Zusammenhalts und der sozialen Gemeinschaft. Heimat, Ortsbezug und soziale Beziehungen sowie genealogische Aspekte stellen ein gemischtes Geflecht an Sinnstiftungen und Formen des sinnlichen Ortserlebens dar, das gerne in politischen Diskursen, planerischen Maßnahmen und Raumordnungsprozessen übersehen, vernachlässigt oder auch zugunsten ökonomischer Überlegungen trivialisiert wird. Der Beitrag widmet sich ganz bewusst dieser Problematik und arbeitet explizit die sozialräumlichen Dimensionen und Bezüge der Bewohner/-innen im Raum Garzweiler 2 heraus - ein Gebiet von 48 Quadratkilometern, in dem in den kommenden 30-40 Jahren Braunkohle abgebaut werden wird. Die Studie basiert auf 26 qualitativen Interviews mit Umsiedler/-innen und zukünftigen Tagebaurandbewohner/-innen. Im Fokus stehen die sozial-räumlichen Verluste, die Formen der Bewältigung der Umsiedlung und die Schwierigkeiten beim Aufbau neuer sozialer Beziehungen in den Umsiedlungsorten. Die Vielschichtigkeit dieser Aspekte durchzieht erlebte und gelebte Strukturen, Prozesse, Repräsentationen und Praktiken der Ortsbindung in Raum und Zeit und verdeutlicht die emotionale Tiefe des Heimat- und Ortsbezugs, die im Kontext der energiepolitisch motivierten Veränderung des Raumes Garzweiler 2 zutage tritt. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden Überlegungen für eine sozialverträglichere Praxis der Umsiedlung und des Umgangs mit den sozialräumlichen Verlusten der Bewohner/-innen formuliert, die jenseits der etablierten Argumentation finanzieller Kompensation und verbesserter Wohnverhältnisse liegen.

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Zeitschrift für Umweltpolitik & Umweltrecht

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Nr. 3

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S. 183-212

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