Die Großwohnsiedlung ein Ghetto? Wie Hiphop-Videos Raumbilder generieren und so die Gesellschaft ordnen.
Leibniz-Institut für Länderkunde
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Leibniz-Institut für Länderkunde
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DE
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Leipzig
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0943-7142
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ZLB: Kws 165 ZB 2033
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EDOC
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Abstract
Der Künstler MC Nick rappt in einem seiner Songs "Ja ihr habt Recht, wir haben in Deutschland keine Ami-Ghettos, das hier ist Deutschland, wir haben andere Ghettos"; die Kulisse seiner Performance bildet eine Plattenbausiedlung. Der junge Hiphop-Interpret Eko Fresh beklagt in einem seiner Lieder "Junge denn ich leb' im Gheddo, Grembranx1 oder Tempelhof (...) und ich bete jeden Tag, dass ich nicht hier bleiben muss". Dazu erscheinen im Videoclip Schwarzweißbilder, in denen Plattenbausiedlungen, Waffen, Drogenkonsum und kriminelle Jugendliche zu sehen sind. Viele Videoclips aus der Sparte Hiphop bzw. Gangsta-Rap bedienen sich solcher Darstellungskonventionalitäten und tragen so zur Manifestierung oder gar Etablierung eines stigmatisierenden Ghetto-Diskurses bei. Innerhalb Deutschlands sind es vor allem Großwohnsiedlungen wie Berlin-Marzahn, München-Neuperlach oder Bremen-Tenever, die mit diesem Image gekennzeichnet sind. Durch die Videoclips bzw. die immer wiederkehrenden Bildkommunikate (Plattenbauten, Hochhäuser, Waffen, Kampfhunde, Drogen, Polizei) werden sie zu Orten der Gewalt, Verwahrlosung und Unsicherheit konstituiert. Dieses Negativimage haftet folglich auch den in den jeweiligen Bezirken lebenden BewohnerInnen an und führt zu weiteren Problemen (bspw. bei der Arbeitsplatzsuche). So sind Raumbilder fähig, die Gesellschaft zu ordnen. Der Aufsatz betrachtet aus diskurstheoretischer Perspektive die Konstitution von Alltagswissen innerhalb der Populärkultur und setzt einen besonderen Fokus auf die visuelle Ebene. Es geht darum herauszufinden, wie spezifische Stadträume innerhalb popkultureller Jugendmedien medial definiert werden und welchen Einfluss sie auf gesellschaftliche Wirklichkeitskonstitutionen haben. Dazu werden Musikvideoclips des Genres Hiphop/Gangsta-Rap einer semiotischen Bilddiskursanalyse unterzogen und auf ihren Beitrag zur medialen Produktion des Images städtischer Großwohnsiedlungen hin untersucht. Inwieweit die erzählten Bildergeschichten zur Reproduktion oder zum Aufbrechen des hegemonialen Ghetto-Diskurses beitragen, soll ebenfalls Überlegung finden.
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Europa regional
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Nr. 2-3
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S. 103-118