Über Langeweile, Nichtarbeit und raumzeitliche Konflikte in der Peripherie französischer Städte.

Deutsches Institut für Urbanistik
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Deutsches Institut für Urbanistik

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Berlin

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2567-1405

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2901326-4

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ZLB: Kws 118 ZA 3487

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Abstract

Zwar handelt es sich bei Langeweile sicher um ein individuelles (Zeit)Gefühl, in dem sich meist ein Auseinanderklaffen von Erfahrung und Erwartung ausdrückt. Doch lassen sich historisch auch Räume und Kontexte ausmachen, in denen Langeweile verdichtet als kollektive Erfahrung beschworen oder einer bestimmten Gruppe zugeschrieben wird. Und es sind genau diese Zuschreibungen von Langeweile als Problem bestimmter urbaner Räume, Gruppen oder Zeiten, um die es der Autorin in diesem Essay geht. Als Ausgangspunkt dient ihr dabei die Beobachtung, dass im fortgeschrittenen 20. Jahrhundert in westeuropäischen, insbesondere in französischen Städten die verdichtete Beschwörung von Langeweile wiederholt dazu diente, bestimmte Gruppen und Praktiken als abweichend oder problematisch zu kennzeichnen. Genau genommen diente Langeweile - und das ist die zentrale These des Texts - als eine Art temporales Distinktionsmittel: als Mittel der Auf- und Abwertung unterschiedlicher zeitlicher Praktiken und Routinen. Während ein gewisses ennui im 18. und 19. Jahrhundert eher Kennzeichen der oberen, nicht zur Arbeit gezwungenen Schichten war, galt der oder die Gelangweilte in Beschreibungen des Städtischen im fortgeschrittenen 20. Jahrhundert als potenziell gefährdet oder gefährlich.
While boredom surely is an individual feeling closely associated with slowness or idleness, we can identify historical contexts in which boredom was evoked as a collective experience or used to mark specific groups and routines as problematic. In late 20thcentury Western European cities, historical actors thus repeatedly labelled certain spaces or groups as different by pointing to their boringness. Whereas in the 18th and 19th centuries, a certain ennui still seemed characteristic of an upper class not forced to work, in late capitalist cities a bored person was considered potentially dangerous (or endangered). While the socio-economic order at that time was strongly oriented towards economic productivity, boredom, much like slowness, seemed suspicious. Between the late 1950s and the late 1990s, French newspapers thus repeatedly presented boredom as a key problem of the banlieues. Analysing these representations of the urban periphery, I argue that the evocation of boredom repeatedly served as mechanism of social distinction that urban observers used to distinguish “the productive many” (white, male employees) from “the idle few” (housewives or, later, migrant youth).

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Moderne Stadtgeschichte : MSG

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2

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105-111

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