Stadt, Land, AfD. Zur Produktion des Urbanen und des Ruralen im Prozess der Urbanisierung.
Dérive, Verein für Stadtforschung
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Datum
2019
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Herausgeber
Dérive, Verein für Stadtforschung
Sprache (Orlis.pc)
AT
Erscheinungsort
Wien
Sprache
ISSN
1608-8131
ZDB-ID
Standort
ZLB: Kws 100 ZB 6687
Dokumenttyp
Dokumenttyp (zusätzl.)
Autor:innen
Zusammenfassung
In dem Beitrag wird argumentiert, dass ein herkömmliches Verständnis von Stadt und Land im Sinne homogener und stabiler Räume für das Verständnis der Geographie rechtspopulistischer Mobilisierungen zu kurz greift. Stadt und Land beschreiben keine klar abgegrenzten Territorien mit jeweils einheitlichen Lebensweisen. Während diese Argumentation wohl kaum noch ernsthaft bestritten werden dürfte, ist die Weiterarbeit am vermeintlichen Stadt-Land-Gegensatz für ein Verständnis des Aufstiegs der AfD aus zwei Gründen trotzdem hoch relevant. Erstens bestehen räumliche Muster, die es nahelegen, über die Unterschiede urbaner und ruraler Siedlungsformen und dortiger politischer Subjektivierungen nachzudenken, die aber, zweitens, in der öffentlichen Debatte (und mitunter auch in der Wissenschaft) im Sinne absoluter räumlicher Stadt-Raum-Unterschiede interpretiert werden. Dem stellt dieser Beitrag den Vorschlag entgegen, den Stadt-Land-Gegensatz aufzuheben in der Herausbildung des Ruralen im Prozess der Urbanisierung, um dessen unterschiedliche Ausprägungen als Erklärung für Wahlerfolge der AfD heranzuziehen. Dabei liegt auf der Hand, dass es den vollständig urbanen Ort ebenso wenig geben kann wie rurale Räume ohne jeglichen Einfluss der Urbanisierung. Die unterschiedlichen Grade der Urbanisierung sowie von Zentralität und Peripherie zu betrachten, erscheint den Autoren als vielversprechender Zugang zur Geographie des Rechtspopulismus wie auch zur Neuordnung von Stadt-Land-Verhältnissen insgesamt. Ob sich dieser Vorschlag in der Forschungspraxis bewährt, müssen detaillierte Untersuchungen zeigen, über die hier vorgenommenen Illustrationen hinausgehen. Darüber hinaus bietet es sich an, auch jene Räume und deren Entwicklung zu untersuchen, in denen sich rechte Bewegungen nicht etablieren konnten und die teilweise in direkter Nachbarschaft zu rechten Hochburgen liegen. Solche Forschungen wären dann nicht nur ein Versuch, die aktuellen Erfolge rechtspopulistischer Bewegungen besser zu verstehen, sondern könnten auch darauf abzielen, Strategien des Widerstands zu entwickeln. Dieser müsste auf eine Urbanisierung der Provinz im Sinne Adornos beziehungsweise des Ruralen im Sinne Lefebvres abzielen, mithin auf eine Bildung und einen Alltag, die es ermöglichen, Differenz auszuhalten, auszuhandeln und emanzipatorisch produktiv zu machen.
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Schlagwörter
Zeitschrift
Dérive : Zeitschrift für Stadtforschung
Ausgabe
Nr. 76
Erscheinungsvermerk/Umfang
Seiten
S. 44-53