Proteste um die Transformation der Stadt. Zur Geschichte und Gegenwart links-libertärer Politik in Marseille und Hamburg.

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In Hamburg schließen sich im Sommer 2009 eine Vielzahl links-libertärer Initiativen zu einem breiten politischen Netzwerk gegen eine als unternehmerische kritisierte Stadtpolitik und für ein Recht auf Stadt zusammen. Marseille und seine Region wird kurze Zeit später europäische Kulturhauptstadt 2013. Trotz der breiten Ablehnung, die dieses Großereignis als Baustein einer langjährigen Strategie innerstädtischer Aufwertung erfährt, kommt es hier zu keinen größeren links-libertären Protesten. Wie lässt sich in den beiden Partnerstädten das Zustandekommen bzw. Ausbleiben urbaner Proteste und Vernetzungsprozesse erklären? Ausgehend von dieser Frage werden in der Arbeit externe und interne Faktoren herausgearbeitet, die entscheidenden Einfluss auf die Entstehung und Kontinuität einer politischen Kultur des Protests nehmen. Im ersten, historischen Teil wird die Entwicklung lokaler und nationaler sozialer Kämpfe in den Blick genommen. Der zweite Teil bezieht sich auf die Gegenwart der beiden Städte und verschiebt den Blick sukzessiv von einer makrosoziologischen Perspektive auf die ethnografische Beschreibung und Analyse politischer Mobilisierungsprozesse auf mikrosoziologischer Ebene. Die zentrale These der Arbeit geht davon aus, dass politische und urbane Proteste weder ex nihilo, noch spontan entstehen, sondern an zurückliegende Auseinandersetzungen anknüpfen und auf bestehenden materiellen sowie immateriellen Infrastrukturen aufbauen. In Hamburg lassen sich seit den 1970er Jahren eine Reihe relativ erfolgreicher sozialer Kämpfe zurückverfolgen, die zur Tradierung und Konsolidierung einer links-libertären Protestkultur beigetragen haben. Dabei lässt sich eine politische Kultur der Aushandlung, des Kompromisses und der Kooperation zwischenantagonistischen Kräfte innerhalb und außerhalb der Institutionen beobachten. Marseille ist im selben Zeitraum sehr viel stärker durch Diskontinuitäten und Brüche gekennzeichnet. Die Konkurrenz zwischen Zentralstaat und lokalem Staat, zwischen kommunistischer und sozialistischer Partei, zwischen Nutznießern und Außenseitern des Systems Defferre, steht dem Zusammenschluss und der Tradierung politischer Proteste immer wieder im Weg. Strukturbildend hier sind vielmehr eine politische Kultur des Konflikts und der Abgrenzung, also der Nicht-Konfrontation und Nicht-Aushandlung divergierender politischer Interessen und Ansichten.
In the summer of 2009, a large number of left-libertarian initiatives in Hamburg joined together to form a broad political network for the right to the city and against the entrepreneurial agenda of urban politics. Marseille and its region became European Capital of Culture 2013 shortly afterwards. Despite the broad rejection of this major event as a cornerstone of a long-term strategy of inner-city revitalisation, there were no major left-libertarian protests in Marseille. How can the existence and the absence of urban contention and networking processes in the two twin cities be explained? Starting from this question, the work identifies external and internal factors that have a decisive influence on the emergence and continuity of a political culture of protest. In the first, historical part, the evolution and the character of local and national workers' struggles are examined. The second part refers to the present of the two cities and successively shifts the focus from a macro-sociological perspective to the ethnographic description and analysis of political mobilization processes. The central thesis of the work assumes that political and urban protests do neither arise ex nihilo, nor spontaneously, but are entangled with past mobilisations and existing material and immaterial infrastructures of political contention. Since the 1970s, a series of relatively successful social struggles can be traced in Hamburg. They have contributed to the transmission and consolidation of a left-libertarian protest culture. A political culture of negotiation, compromise and cooperation between antagonistic forces within and outside the non-institutional actors is observed. During the same period, Marseille is much more marked by discontinuities and fragmentation. The competition between the central state and the local government, between the communist and socialist party, between the beneficiaries and outsiders of the système Defferre , repeatedly prevented the development of a political protest tradition. Structuring here is rather a political culture of conflict and demarcation that goes hand in hand with the non-confrontation and non-negotiation between divergent political interests.

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325, Anh.

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