Sedimentkontinuität als Leitprinzip des Flussgebietsmanagements. Sind wir auf dem richtigen Weg?
Bundesanstalt für Gewässerkunde
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Datum
2018
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Herausgeber
Bundesanstalt für Gewässerkunde
Sprache (Orlis.pc)
DE
Erscheinungsort
Koblenz
Sprache
ISSN
1439-1783
ZDB-ID
Standort
ZLB: Kws 555 ZB 6766
Dokumenttyp
Dokumenttyp (zusätzl.)
EDOC
Autor:innen
Zusammenfassung
Flüsse transportieren neben Wasser auch große Mengen an Sediment: Ton, Schluff, Sand und Kies. Menschliche Eingriffe in Flusssysteme, wie der Bau von Querbauwerken, haben natürliche Sedimentströme gestört und zu Sedimentations- und Erosionserscheinungen mit weitreichenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen geführt. Im europäischen Flussgebietsmanagement ist die Ansicht, dass diese Probleme gelöst werden können, wenn Flüsse in die Lage versetzt werden, ihr Sediment ungestört stromabwärts zu transportieren, weit verbreitet. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass ein solches Streben nach einem kontinuierlichen Sedimenttransport (Sedimentkontinuität) die Probleme nur teilweise löst. Neben offensichtlichen Vorteilen bringt Sedimentkontinuität auch Nachteile mit sich, die in einigen Fällen deutlich schwerer wiegen. Außerdem stellen Missverständnisse hinsichtlich der Sedimentkontinuität in natürlichen Flüssen eine ernsthafte Bedrohung für den Erfolg von Flussrenaturierungsmaßnahmen dar. Es ist zu empfehlen, Sedimentkontinuität nicht als allgemeines Leitprinzip zu behandeln, sondern für jedes Flusssystem gesondert zu prüfen, ob die Sedimentkontinuität zu fördern oder im Gegenteil zu beschränken ist. Diese Prüfung richtet sich nach den Anforderungen, die der Mensch an den Fluss stellt. Als morphologisches Leitprinzip sollte anstatt der Sedimentkontinuität besser ein gewässertypischer Sedimenthaushalt angesetzt werden. Der Sedimenthaushalt hat nicht nur eine bessere physikalische und biologische Grundlage, sondern die lokalen Eigenschaften eines Flusseinzugsgebiets werden auch stärker berücksichtigt. Bedauerlicherweise hat die Sedimentkontinuität sich zu einem weit verbreiteten und fundamentalen Grundsatz des Flussgebietsmanagements entwickeln können. Dies ist kennzeichnend für den teilweise einseitigen Umgang mit Sedimenten im heutigen Flussgebietsmanagement, die Folge mangelnder morphologischer Systemkenntnisse, einer Unterbewertung des abiotischen Milieus und einer fehlenden interdisziplinär-wissenschaftlichen Debatte ist.
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Schlagwörter
Zeitschrift
Hydrologie und Wasserbewirtschaftung
Ausgabe
Nr. 4
Erscheinungsvermerk/Umfang
Seiten
S. 257-270