Müll als Strukturfaktor gesellschaftlicher Ungleichheitsbeziehungen.
Bundeszentrale für politische Bildung
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Bundeszentrale für politische Bildung
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DE
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Bonn
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0479-611X
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ZLB: Kws 750 ZB 4129 a
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Abstract
Schmutz und Sauberkeit sind nicht nur konzeptuell miteinander verwoben, sondern auch in materieller und sozialer Hinsicht. Aus diesem Grund sind Theorien des Abfalls hilfreich, um zu verstehen, wie soziale Ausschlüsse und Formen der Herabsetzung entstehen. Es ist nicht zufällig, dass sich ausgerechnet am Müll soziale Aufteilungen und Grenzziehungen etablieren, die manchmal auf skurrile Weise zutage treten: zum Beispiel dann, wenn ein zugewanderter Syrer sagt, er fühle sich in Deutschland erst dann akzeptiert, wenn er seinen Müll richtig trennt. Die Dinge an den richtigen Platz zu stellen, wie es im Kontext von Mülltrennung eintrainiert wird, ist mehr als nur die pragmatische Seite einer umweltbewussten Orientierung. Über Müll zu sprechen, bedeutet auch, über Trennung, Sammlung, Aufteilung, Rückführung, Überschreitung zu sprechen. So bedient die Sprache und die Praxis der Mülltrennung das grenzziehende Denken und trägt dazu bei, dieses in den täglichen Routinen einzutrainieren. Darin liegt eine Politisierung des Alltags, deren Effekte sich in ihrem vollen Ausmaß dann zeigen, wenn jene in den Blick rücken und zum "Politikum" werden, deren Umgang mit Müll nicht dieser staatsbürgerlichen Norm entspricht. Das verweist auf die Art und Weise, wie Müll teil hat an der Aufteilung von imaginären Gemeinschaften. Die Logik der Vernunft im Sinne der Eindeutigkeit, der Einhaltung von klaren Umgrenzungen und Kategorisierungen, wird in der Maxime des Recycelns zu einem Ethos der Bürgerlichkeit.
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Aus Politik und Zeitgeschichte : APuZ (Beil. zu: Das Parlament)
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Nr. 49/50
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S. 30-35